Das Kapostropheum

Die Kapostroph-Gruselgalerie

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Genitiv: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18    Plural: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17    Interpunktion: 1 2 3 4    Imperative: 1 2    Verbformen: 1 2    Diminutiv: 1    Kombipakete: 1 2    Fremdsprachen: 1 2    Ver(w)irrte Akzente: 1 2    Mehr wäre mehr: 1    Völlig willenlos: 1 2 3 4 5 6 7   


Das „Anführungszeichenproblem“

… ist keines.

Zu dieser Erläuterung hier regte mich der folgende Diskussionsbeitrag an:

> In HTML ausgedrückt: links ist ldquo richtig, aber rechts gehört 
> nicht ldquo sondern rdquo hin. ldquo steht ja auch für "left double quote".
> 
> Finde ich ehrlich gesagt etwas peinlich, diese ganze Klugscheisserei und 
> dann solch ein systematischer Fehler.

(Klugscheißerei schreibt man übrigens sowohl nach alter wie auch nach neuer Rechtschreibung mit ß. Aber das nur am Rande.)

Zur Sache. Der Einwand greift in mehrfacher Hinsicht deutlich zu kurz und trägt insgesamt nicht. Zunächst mal ist es ziemlich verwegen, anzunehmen, ich würde eine Site in Netz stellen, die sich primär mit Zeichensetzung befaßt und mich dann nicht ausführlich mit dem korrekten Gebrauch von Anführungszeichen auseinandersetzen.

Also dann: Aus der Benennung der Entitäten zu schließen, wo sie hingehören, greift selbstverständlich nicht, denn diese Benennungen basieren schließlich auf der englischen Schriftsprache. Dort sind sie korrekt – ldquo (left double quote) nach links, rdquo (right double quote) nach rechts:

    “This is a quotation.”

So. Das ganze WWW-Umfeld ist zwar primär englisch geprägt, aber nichtsdestotrotz ist auch die Notwendigkeit umgesetzt worden, daß deutsche Anführungszeichen unten stehen. Dafür gibt es bdquo (bottom double quote):

    „Hier ist ein Zitat.”

Das sind „abgesenkte“ englische Abführungszeichen. Daß das letzte Beispiel nicht der deutschen Schriftsprache entspricht, springt gleich ins Auge; das gesetzte Zeichen ist ja bis auf die Höhe vor und nach dem Zitat identisch, letzteres wird erst korrekt, wenn man es auf den Kopf stellt:

    „Hier ist ein Zitat.“

Und siehe da: so eine Entität haben wir schon. Sie heißt ldquo, also sind praktischerweise englische Anführungszeichen identisch mit deutschen Abführungszeichen, und was steht also rechts des Zitates? Genau, ldquo, l für links hin oder her. Und das bringt einen auch gleich weiter zu der Erkenntnis, daß die Faustregel „Anführungszeichen von links unten nach rechts oben“ deutlich zu kurz gedacht ist, denn wo ist „rechts oben“? Der Punkt, von dem der Schlenker ausgeht? Die Stelle, wo der Schlenker die enge Kurve macht? Ist die Richtung die enge Kurve, die der Schlenker vom Punkt aus nimmt oder die, die von der engen Kurve selbst ausgeht? Wie formuliere ich den hier sichtbaren Unterschied zwischen linken und rechten Tüddelchen eindeutig?

Ganz einfach: die Faustregel hat nämlich mit irgendwelchen Diagonalbeschreibungen nichts zu tun, sie lautet vielmehr „99 … 66“, d. h. Anführungszeichen sehen aus wie eine kleine 99, Abführungszeichen wie eine kleine 66. Einfach mal in eine sauber redigierte Printpublikation gucken – genau so sieht’s aus. Und für die zumeist verwendete Schrift Times und ihre Verwandten bedeutet das zweifelsfrei bdquo links und ldquo rechts.

Times kann ich aber nicht mehr sehen, zudem hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, daß serifenlose Schriften auf dem Bildschirm besser lesbar seien als Serifenschriften. Die übliche Alternative in diesem Zusammenhang, Arial, erfüllt übrigens ebenso die Regel „99 … 66“, das ist aber in üblicher Schriftgröße fast nicht zu erkennen; hier mal etwas größer:

    „Hier ist ein Zitat.“

Arial finde ich aber nun ausgesprochen häßlich, daher ist diese Site in Verdana:

    „Hier ist ein Zitat.“

Das gefällt mir vom Schriftbild deutlich besser. Das hat zugegebenermaßen zur Folge, daß sich das Design hinsichtlich der Anführungszeichen etwas vom Gewohnten wegbewegt, aber damit kann ich gut leben, wenngleich ich gerne zugebe, daß der Verdana-Designer sich etwas mehr Mühe hätte geben können. Vielleicht überlege ich mittelfristig, die Fontvorgabe ganz wegzunehmen und die Wahl des Zeichensatzes dem User zu überlassen. Bis dahin sieht das hier im Rahmen des Schriftdesigns von Verdana so aus, wie es eben aussieht, unterliegt dem korrekten Gebrauch von bdquo und ldquo und ist eines ganz bestimmt nicht: peinlich.

Weiterführende Literatur

Und wer das noch genauer wissen will, kann hier in der Wikipedia nachlesen.